Verein zur Osingdokumentation

Der sogenannte Mutter-, Königs-, oder auch Hauptstein des Osings


Der älteste schriftliche Nachweis, dieses 350 kg schweren Steines, ist aus dem Siebnerbuch von 1747 der Siebnerei Krautostheim.
Hier steht: „161. Stein, und dieser ist der so genannte König - oder Haimat/Haubt Stein des Osing“ 
Dies wurde bei einem großen Grenzgang 1747 registriert, darin wird auch erwähnt, dass die letzten 25 Jahre zuvor kein Grenzgang durchgeführt wurde. Leider ist das Vorgänger Siebnerbuch nicht mehr im Besitz der Krautostheimer Siebnerei und somit lässt sich aus dieser Quelle nicht zurückverfolgen wann der Stein gesetzt wurde bzw. wie lange er schon steht.
Allerdings müssen wir eines berücksichtigen, der Osing muss schon seine Grenzen gehabt haben, bevor er an die vier Ortschaften verteilt wurde.
Während der Zeit, als unser Gegend zum Königreich Preußen gehörte, wurde mit größter Anstrengung über den Osing und seine Vermarkung nachgeforscht. Hier ging es darum, dass der Markgraf von Ansbach schon immer die Fraisch auf dem Osing inne hatte und sie somit auch an Preußen überging. Bei diesen Nachforschungen bestätigte der frühere Rüdisbronner Schultheiß Schäfer ab 1797 den Preußischen Ämtern die auch noch heute überlieferte Stiftungsgeschichte des Osings. Gleichzeitig wird auch erwähnt, dass der letzte öffentliche Grenzgang auf dem Osing im Jahre 1615 stattfand. Weiter steht in diesen Dokumenten, dass während der Preußischen Herrschaft auch auf dem Osing ein Schild angebracht werden musste "Königreich Preußen".
Die Überlieferung berichtete, dass um den Mutterstein, auf jeweils die vier Ortschaften ausgerichtet, je ein kleiner Stein gestanden hat. Trotz weiträumigen und auch in der Tiefe intensiven Suchen im Jahre 2016 wurden keine weiteren Steine entdeckt. Es sind also definitiv keine mehr vorhanden. Somit gibt es nur den bei Säuberungsarbeiten, um den Setzplatz des Muttersteines herum entdeckten Zeugenstein. Hier stellt sich natürlich jetzt die Frage, ob er als Zeugenstein zu bewerten ist. Die alte Überlieferung über die vier Steine tritt hiermit in den Bereich der Sage zurück. Diese nicht mehr vorhandene Stein-Konstellation nannte man „Patensteine“, und sie gehörten bei den Sicherungsmaßnahmen für Grenzzeichen zu den ältesten und es würde erklären warum der Mutterstein nicht belegt war.
Auf jeder Seite des o. g. Muttersteines ist der Anfangsbuchstabe der vier Ortschaften eingetragen. Für Rüdisbronn, östlich ein “R“ für Krautostheim, nördlich ein „K“ , für Herbolzheim, westlich ein „H“, nur südlich, Richtung Humprechtsau war dies vor der Renovierung des Steines nicht mehr so eindeutig, bzw. gar nicht mehr zu erkennen. Hier glaubte man eine Jahreszahl zu erkennen und den Buchstaben „H“ für Humprechtsau. Es zeichnete sich darunter ein „gespiegeltes N“ auf dem Stein ab. Nachdem der Stein jetzt renoviert ist erkennt man eindeutig dieses gespiegelte „N“. In der Fachliteratur steht es für „Umklappstein“ dies bedeutet, dass der Stein bereits gespiegelt und durch einen neueren ersetzt worden ist.
Nachdem sich 2015 der Stein in einem dermaßen jämmerlichen Zustand befand und daher unbedingt einer dringenden Renovierung und Konservierung bedurfte, wurde er am Samstag den 11. April 2015 durch die Osingsiebner, im Beisein der  Krautostheimer Siebner und des für die Renovierung zuständigen Bildhauer ausgegraben und gesichert.
Wie bereits oben erwähnt, fanden sich nach dem Ausgraben des Steines keine zu erwartenden Siebnerzeichen oder sonstige Hinweise auf das Alter des Steines, dies war für die Anwesenden etwas ungewöhnlich und enttäuschend.
Bei der Bergung des Steines gab es keine größeren Probleme. Er wurde in die Werkstatt des Bildhauers nach Sugenheim gebracht. Nach Angaben des Steinmetzes wurde der Stein nun erst mal sechs Wochen ins Wasser gelegt um ihn zu entsalzen. (siehe Bilder rechts) Eine Bildgeschichte über die Restauration des Steines kommt von Herrn Schiffermüller.
Die Wiedersetzung des Steines erfolgte am 20. September 2015. Zuvor wurden nicht öffentlich die geheimen Siebnerbelege eingebracht. Die Einsetzung erfolgte im kleinen festlichen Rahmen mit geladenen Gästen und interessierten Publikum der umliegenden Orte.

Als weiteren Schutz gegen die Witterung wurde von Verein zur Osingdokumentation, in Absprache mit der Osingverwaltung, der Entschluß gefaßt den Hauptstein des Osings zu überdachen. Seit dem 21. Dezember 2016 hat nun dieser Hauptstein ein Schutzdach. Somit bleibt zu hoffen, daß dieser Jahrhunderte alte, wichtigste Stein des Osings, der als Symbolstein für den Osing steht über weitere Generationen erhalten werden kann. (Bilder weiter unten)

Die Beschriftung des Steines auf der Osingseite wird folgendermaßen gedeutet:


Die Symmetrie der Beschriftung ergibt ein Dreieck, oben Mitte das “O“ für Osing, darunter „N“ gespiegelt, also ein „Umklappstein“, als Hinweis, dass der Stein bereits einmal gespiegelt und erneuert wurde, daneben „1“, also Nr.1, darunter „177“. Diese Zahl gibt nach den Stand der weiteren Forschungen wieder Rätsel auf. Es scheint sich doch mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Jahreszahl zu handeln. Einzig die Symmetrie auf dem Mutterstein, mit der die Zahlen angebracht sind, steht dieser These etwas im Wege, schließt sie aber nicht aus. Das auf dem Haupt des Steines angebrachte Geviert symbolisiert den Osing.
Das „H“ oben links im Stein wurde vermutlich nachträglich von einem Unkundigen für Humprechtsau angebracht, da es nicht in das restliche Beschriftungsbild des Steines passt!     
In einem Bericht der Windsheimer Zeitung von 1934 über die Osingverlosung, werden für den Osing gesamt 185 Grenzsteine angegeben. Der o. g. „Mutterstein“ war früher auch der Ausgangspunkt der Osingverlosung.
Ab 1864 fiel der Mutterstein in eine Art Dornröschenschlaf, da die Osingsiebenerei eine privatrechtliche Angelegenheit wurde und der Stein nur noch als Grenzstein fungierte. Durch die Renovierung 2015 wurde er wieder zu Leben erweckt und der Bevölkerung zurück ins Gedächtnis gerufen.
Auf dem Osing befindet sich jetzt noch ein uralter Markstein aus Sandstein, der Rest dieser Steine wurde im Laufe der Zeit und zuletzt während der Osing-Flurbereinigung durch neue ersetzt.
Um zu prüfen, ob diese uralten Steine auf dem Osing früher wahrscheinlich alle keine Unterirdischen Sicherungen hatten wurde noch einer der zwei alten Originalsteine gehoben und auf Belege geprüft, er war ebenfalls nicht belegt, dies wird auch von zwei während der Osing-Flurbereinigung ausgetauschten Marksteinen aus Sandstein berichtet. Dies kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Bestätigung des hohen Alters dieser Marksteine betrachten.
Überraschender Weise wurde ein weiterer älterer, ausgewechselter, Osingmarkstein entdeckt der vermutlich bei der Osing-Flurbereinigung ausgetauscht wurde. (siehe Bilder rechts) Vom Alter her scheint er zwischen den beiden anderen Steinen zu liegen, er hat als Markierung, entweder die Zahl 60 oder 66, hierdurch wird die frühere Nummerierung der Osingsteine bestätigt. Weitere zwei Marksteine aus dieser Generation von Marksteinen befinden sich am Osing noch im Boden und tragen die Nr.55 und 56.

Der Mutterstein als Symbolstein


Der letzte Stand der Forschungen über den Mutterstein deutet darauf hin, daß der Stein ursprünglich als Symbolstein für den Osing gesetzt wurde und für Zeremonien der Sechzehner und später der Siebenern genutzt wurde. Weiter hat er als Anfangstreffpunkt der Osingrechtler bei den früheren Verlosungen gedient. Der Stein wurde bewusst an diesen Platz gesetzt, als Anfang der Steinnummerierung um den Osing herum. Die Symbolfunktion des Steines drückt sich durch die besondere Größe und die Beschriftung aus. Die Anfangsbuchstaben (K,H,H,R) der angrenzenden vier Gemeinden weisen auf die Osingdörfer hin. Das Rechteck auf dem Haupt des Steines, wo bei Marksteinen normalerweise der Grenzverlauf angezeigt wird, steht symbolisch für die Umgrenzung des Osingbezirk. Ein solches Symbol ist sonst nirgends bekannt, wie Spezialisten für Grenzsteinfragen aus den Vermessungsämtern Würzburg und München bestätigten. Ob nun der Mutterstein bereits vor der Erstellung des Urkatasters, etwa 1810 bis 1830, bereits ein Grenzstein oder nur Symbolstein war, lässt sich nicht mehr feststellen. Wenn keine neuen Fakten mehr auftauchen wird dies das Geheimnis des Steins bleiben.

Die Osingsiebnerei


Zu den Osingsiebnern entnehmen wir aus der Gemeinderechnung Humprechtsau, damals von den "Sechzehnern" durchgeführt, von Anno 1596 folgendes:
„2,-fl. den Sechzehnern geben für jren Lonn daß auf dem Ossing zu den Marckhstainen gesehen haben“.
Eine weitere Beschreibung der Sechzehner-Amtes, die Bezahlung und auch ihre Funktion als Siebner und Sechzehner auf dem Osing aus dem Jahre 1593 stammt aus dem Kastenamt Hoheneck. Die sogenannten Sechzehner, je vier Mann aus den Orten Herbolzheim, Humprechtsau, Krautostheim und Rüdisbronn, hatten bis 1853 die volle Gewalt mit eigener Gerichtsbarkeit auf dem Osing und auch den Rückhalt der jeweiligen Herrschaft. Sie waren Osingverwaltung und gleichzeitig auch Osingsiebner, beide Aufgaben waren auf Lebenszeit, oder bis sie aus einer Ortschaft weggezogen sind. Nahezu lückenlos lassen sich ab ca. 1600 die Sechzehner und Siebner auf dem Osing aus den Sterbematrikeln der Kirchenbücher von den vier Ortschaften nachvollziehen. Es kristallisiert sich heraus, dass sie alle zuvor das Siebneramt im Ort innegehabt hatten und dann später auch Sechzehner wurden. Die Osingsiebner unter den Sechzehnern, und auch noch unter den Achtern,  mussten ihren Siebner-Eid zwischen dem Mutterstein und einen weiteren kleinen, jetzt wiederentdeckten, Stein bei der sogenannten „Kalten Eiche“ ablegen.
Aus einen Zeitungsbericht der Windsheimer Zeitung von 1939 entnehmen wir folgendes:
“Auch stehen noch bei der „Kalten Eiche“ (so benannt nach dem Nordhang des Höhenzuges), die beiden Osingsteine, der große und der kleine. Bis zum Jahre 1864 knieten sich zwischen diesen Steinen die Siebner der vier Gemeinden zur Vereidigung vor der Verlosung nieder. In diesem Jahre hob das Bezirksamt Uffenheim, da es sich ab diesen Zeitpunkt um eine privatrechtliche Angelegenheit handelte, den überkommen Brauch auf“. Da die Siebner, wie der Name sagt, nur sieben sind, hat immer ein Ort einen Siebner weniger. Wenn nun ein Siebner stirbt oder wegzieht wird aus dem Ort der bisher nur einen Siebner im Gremium hatte ein neuer gewählt. Ein Osingsiebner muss in neuerer Zeit nicht zwingend auch in den Orten ein Siebner sein, da er nur für die Freimarkung Osing mit ihren ca.190 Steinen zuständig  ist. In früher Zeit war der Osingsiebner immer auch Sechzehner. Heute wird dies nicht mehr so gehandhabt, so muss ein Osingsiebner nicht zwingend in der Osingverwaltung, also im jetzigen Achter-Gremium, tätig sein oder auch umgedreht.
Im Jahre 1853 wurden durch die vier Gemeinden die Sechzehner aufgelöst, da, wie es so schön heißt: „wieder eine große Lotterwirtschaft herrschte“.
Somit war auch die Siebnerei des Osings aufgelöst. Daraus entstanden das Achter-Gremium, die jetzige Osingverwaltung und die Siebnerei. Dieses Achter-Gremium wird heute für 10 Jahre gewählt, nur in Rüdisbronn wird es auf Lebenszeit gewählt. Die Osingsiebner aber, sind auf Lebenszeit gewählt. Zur Neueinsetzung der Osingsiebner heißt es 1853 im Beschluss:
“Da den früheren Verwaltungsmitgliedern (den Sechzehnern, gleich auch Siebner)  gestattet und das Recht zustand, die Grenzsteine im Osing zu setzen, so ist es auch der Wunsch der sämtlichen 4 Gemeinden, daß den Verwaltungsmitgliedern des Osing, (also den jetzigen Achter-Gremium)  auch dieses Recht wieder eingeräumt werden möge.“ Dies geschah durch die Osingsiebnerei, durch neuere Gesetzgebung mußte die Siebnerei vom Achter-Gremium getrennt werden. Die Osingsiebnerei gehört keiner Siebnervereinigung an, da sie nur für die Marksteine an der Außengrenze der Freimarkung Osing zuständig sind. Die Siebnergänge der Osingsiebner bestehen aus drei Umgängen, westlich der Krautostheimer Straße, östlich der Krautostheimer Straße und die Eigenäcker auf dem Osing.

 

Weitere Bilder finden Sie unter der Galerie Der Mutterstein (Navigationsleiste)!


Der Mutterstein vor der Renovierung von der Osingseite gesehen Der Mutterstein vor der Renovierung von Krautostheimer Seite gesehen Ausgraben des Steines durch die Osingsiebner Ausgraben des Steines durch die Osingsiebner Ausgraben des Steines durch die Osingsiebner Ausgraben des Steines durch die Osingsiebner Der Stein wird durch die Osingsiebner geborgen Der Stein wird durch die Osingsiebner geborgen Leider finden sich keine weitern Siebnerbelege unter den Stein Die letzten Uralten Osing-Marksteine Die letzten Originalen Osing-Marksteine Die letzten Originalen Osing-Marksteine Originaler Osing-Markstein Originaler Osing-Markstein Die letzten Originalen Osing-Marksteine Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Der Stein in der Steinmetzwerkstatt während der Renovierung Wiedereinsetzungsveranstaltung Besucher bei der Wiedereinsetzung des Muttersteins Besucher bei der Wiedereinsetzung des Muttersteins Besucher bei der Wiedereinsetzung des Muttersteins Handwerkzeug der Siebner zur Steinsetzung Der Landrat Helmut Weiß während des Grußwortes Beim Einlegen des Urkundenbehälters unter dem Stein Der Stein schwebt auf seinen Platz zu Langsam senkt sich der Stein in sein angestammtes Loch Gespannt schauen die Besucher dem niederbringen des Steines zu Der Stein wird durch die Siebner eingemessen Der Stein sitzt an seinem Platz und das ausrichten beginnt Kaiserin Kunigunde und Helmut Raab

 


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